DVB-H - Mobiles Fernsehen in neuester Technologie

Überblick

DVB-H ist die jüngste Technologie der DVB-Gruppe und steht für Digital Video Broadcasting – Handhelds (= digitaler Videorundfunk für Handgeräte). Es stellt eine Weiterentwicklung der heute bereits gängigen DVB-T-Technik dar und ist schon jetzt der Übertragungsstandard für den mobilen Empfang digitaler Rundfunkprogramme über mobile Endgeräte, wie zum Beispiel Mobiltelefone und PDAs. Genauso wie DVB-T wird DVB-H, das sogenannte Handy-TV, über Antennen in das Ausstrahlungsgebiet ausgesendet und unterscheidet sich im Wesentlichen durch 4 neuartige Technologien von DVB-T.

Die vier Weiterentwicklungen von DVB-T sind IP Datacasting, Timeslicing, MPE-FEC und AVC. Nur durch die Technologien ist es überhaupt möglich Fernsehprogramme über mobile Endgeräte zu empfangen. IP Datacasting verwendet IP zur Übertragung der Inhalte und somit können auch interaktive Inhalte durch den Benutzer angewendet werden. Hinter dem Begriff Timeslicing verbirgt sich die Bündelung der jeweiligen Dienste in Blöcken. Ein optionaler zusätzlicher Fehlerschutz, kurz MPE-FEC, steigert die Zuverlässigkeit des mobilen Fernsehens. Mithilfe moderner Übertragungstechniken, wie AVC und MPEG-4 können die Datenmengen so gering wie möglich gehalten werden, was zur Kostensenkung beiträgt.

Geschichte und Entwicklung

Die moderne DVB-H-Technik wurde in ihrer Enstehungs- und Entwicklungsphase auch als DVB-M und DVB-X bezeichnet. Als jüngste Entwicklung der DVB-Familie steht DVB-H noch vor seiner kommerziellen Vermarktung. Seit einigen wenigen Jahren wird die neue Art des mobilen Fernsehens in über 40 Testnetzen auf die Probe gestellt. Bereits im Jahr 2006 hatten 1000 Mobilfunk-Kunden die Möglichkeit DVB-H in den deutschen Großstädten Berlin, Hamburg, Hannover und München von Ende Mai bis Ende Juli zu testen. Dieser Zeitraum wurde geschickt gewählt, denn die Mobilfunk-Anbieter erhofften sich durch die Fußball-Weltmeisterschaft positive Resonanz, die sie auch durchweg erhielten. Die ausgewählten Testkunden bewerteten DVB-H als zufriedenstellend. Der Testlauf von DVB-H für Deutschland verlief stabil und somit konnten die Erwartungen der Unternehmen erfüllt werden.
DVB-H soll Ende 2007 auf dem deutschen Markt kommen. Ebenfalls in Finnland, Frankreich, Spanien und Russland ist eine Markteinführung des modernen Handy-TVs noch für das Jahr 2007 beabsichtigt. Die EU-Kommissarin Viviane Reding mit Zuständigkeit im Bereich Telekommunikation hat sich bei der diesjährigen CeBit 2007 für einen europaweit einheitlichen Standard mobiler Rundfunkprogramme eingesetzt. DVB-H soll als gemeinsames Format für Handy-TV so schnell wie möglich genutzt werden und somit die Marktchancen in der europäischen Union erhöhen.

Vorteile

Natürlich ist auch der Markt für mobiles Fernsehen hart umgekämpft und eine neue Technologie muss in der Lage sein sich gegen die Konkurrenz durchzusetzen. Die beiden größten Konkurrenten von DVB-H sind die bereits etablierten Verfahren UMTS und DMB. Obwohl DVB-H noch nicht verfügbar ist, gehen die Experten größtenteils davon aus, dass UMTS und DMB dem Vergleich mit der neuen DVB-H-Technologie nicht standhalten werden. Aufgrund neuartiger Verfahren, wie zum Beispiel Timeslicing und MPE-FEC, kann sich DVB-H gegenüber UMTS und DMB behaupten. Denn wenn der Benutzer über UMTS das mobile Fernsehen nutzen möchte, wird eine ständige Verbindung zum Mobilfunknetz benötigt. Im Gegensatz dazu kommt DVB-H mit einer sehr geringen Verbindungsdauer aus. Ermöglicht wird dieses durch Timeslicing. Hierbei werden die gewünschten Daten gebündelt übertragen und der Empfänger wird erst beim Empfang des nächsten Datenpakets erneut aktiv. Somit ist die gesamte Verbindungsdauer minimal und die Kosten werden so gering wie möglich gehalten.
Da DVB-H eine Modifikation von DVB-T darstellt, können die bereits bestehenden DVB-T-Kanäle auch für den DVB-H-Betrieb genutzt werden. DVB-H erfordert jedoch viel geringere Datenmengen, durch moderne Verfahren zur Videokompression, wie MPEG-4 oder Advanced Video Coding ( AVC ). Hierdurch kann ein einziger DVB-T-Kanal von bis zu 30 DVB-H-Kanälen verwendet werden. DMB benutzt einen DVB-T-Kanal zur Übertragung von nur 3 Kanälen. Somit bietet DVB-H auch hier einen enormen Vorteil im Gegensatz zu seiner Konkurrenz.

Probleme

Zu Beginn der Entwicklung der DVB-H-Technik standen Probleme, wie der hohe Stromverbrauch und die sich ständig verändernde Position des Benutzers, im Vordergrund. Durch diese Probleme rückte die Vermarktung von DVB-H in weite Ferne. Diese Schwierigkeiten konnten jedoch relativ schnell, durch eigens für DVB-H entwickelte Verfahren, ausgeräumt werden. Ein optionaler zusätzlicher Fehlerschutz, das sogenannte Multi Protocol Encapsulating Forward Error Correction ( MPE-FEC ) erhöht die Zuverlässigkeit von DVB-H insbesondere bei Positionsänderungen und großen Störungen. Außerdem verbessert es den allgemeinen Empfang. Auch das Problem des hohen Stromverbrauchs konnte durch eine moderne Technologie behoben werden. Eine Stromersparnis von sagenhaften 90% kann mithilfe des Timeslicings erzielt werden. So werden die Daten in gebündelten Paketen gesendet und der Empfänger schaltet sich zwischen den jeweiligen Übertragungen ab. Hierdurch wird die enorme Stromersparnis gewährleistet. Es lässt sich also letztendlich sagen, dass die anfänglichen Probleme schnell beseitigt werden konnten und DVB-H somit durchaus konkurrenzfähig ist.

Geeignete Endgeräte

Um als Benutzer von der neuartigen DVB-H-Technologie profitieren zu können, benötigt man ein kompatibles Mobiltelefon. Verschiedene Handy-Hersteller bieten bereits heute DVB-H-fähige Mobiltelefone und es ist zu erwarten, dass die Anzahl der geeigneten Geräte mit Markteinführung von DVB-H erheblich ansteigen wird. Beispielsweise brachten Siemens, sowie Nokia bereits im Jahr 2005 Handys auf den Markt, mit denen das sogenannte Handy-TV genutzt werden kann. Auf der CeBit 2005 stellte der Mobiltelefon-Hersteller Siemens eine Weiterentwicklung des Handy-Modells S65 vor, das in der Lage ist DVB-H anzuwenden. Dieses Handy bietet eine Kombination der Funktionen des S65 mit dem neuartigen Handy-TV. Ein großes Touchscreen-Display und zwei integrierte Stereo-Lautsprecher sollten für absoluten Fernsehgenuss in höchster Qualität sorgen. Außerdem stattete Siemens sein Gerät mit einem Speicher von 128 MB aus, der unter anderem zur Aufnahme von Fernsehprogrammen verwendet werden kann. Auch der Handy-Hersteller Nokia begann 2005 mit der Vermarktung eines Mobiltelefons mit der Fähigkeit zum mobilen Fernsehen. Das Nokia N92 wurde erstmals auf der Nokia Mobility Conference vorgestellt. Das Nokia N92 wurde mit einem 2,8 Zoll großen und blendfreien QVGA-Display, zwei Stereo-Lautsprechern und einer Speicherkarte von 2 GB ausgestattet. Somit kann auch das Nokia N92 besten Fernsehgenuss in höchster Qualität für unterwegs garantieren.

Fazit

DVB-H ist die jüngste Form der modernen DVB-Technologie und sorgt auch unterwegs für besten Fernsehgenuss in höchster Qualität. Neueste technische Verfahren garantieren die hohe Qualität des sogenannten Handy-TVs. Obwohl DVB-H noch vor seiner kommerziellen Vermarktung steht, ist zu erwarten, dass es sich, durch seine Vorzüge, schnell gegen die konkurrierenden Techniken durchsetzen kann. DVB-H ist eine Weiterentwicklung des gängigen DVB-T. Es vereint die Vorteile von DVB-T mit der außergewöhnlichen Fähigkeit auch mobil Fernsehprogramme genießen zu können. Mobiltelefone bieten also nicht mehr nur den Vorteil einer ständigen Erreichbarkeit, sondern auch die ständige Verfügbarkeit von Rundfunkprogrammen.

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